Nach knapp einem Jahr Pause kehre ich an meinen Arbeitsplatz zurück, bewaffnet mit einem Kaffee, der mehr kostet als mein früherer Stundenlohn, und einer existenziellen Unsicherheit, die ich liebevoll „Neustart-Melancholie“ nenne. Mein Schreibtisch steht noch da, als hätte er mich nie verlassen, was ich ihm hoch anrechne.
Ein Jahr Pause ist eine merkwürdige Zeitspanne. Lang genug, um zu vergessen, wie das Passwort lautet, aber zu kurz, um sich ernsthaft als „ehemaliger Mensch“ zu bezeichnen. Ich habe in dieser Zeit viel gelernt: zum Beispiel, dass man um 11 Uhr vormittags frühstücken kann, ohne dass jemand „Brunch“ dazu sagt. Dass man Gedanken zu Ende denken kann. Und dass meine produktivste Phase zwischen 22:00 und 02:00 Uhr liegt – was mir im Berufsleben vermutlich niemand danken wird.
Nun sitze ich also wieder hier, in einem ergonomischen Stuhl, der mir verspricht, meinen Rücken zu unterstützen, aber vermutlich heimlich über mich lacht. Ich starre auf den Bildschirm, der mich anstarrt, und wir beide wissen: Einer von uns wird zuerst nachgeben. Spoiler: Ich war es früher nie.
Meine Kollegen begrüßen mich mit Sätzen wie „Na, wieder zurück in der Realität?“ – als wäre die Realität ein Ort, an dem man freiwillig Urlaub macht. Ich lächle wissend, als hätte ich während meiner Pause tiefe Erkenntnisse gewonnen. In Wahrheit habe ich vor allem gelernt, dass Socken in der Waschmaschine auf mysteriöse Weise verschwinden und dass ich erstaunlich viel Zeit mit dem Nachdenken über Dinge verbringen kann, die absolut keine Konsequenzen haben.
Ich versuche, mich wieder einzugliedern. Ich nicke bei Meetings an den richtigen Stellen, obwohl ich keine Ahnung habe, worum es geht. Ich sage Dinge wie „Das nehmen wir mal mit“ und „Lass uns das parken“, obwohl ich weder ein Auto noch einen Parkplatz besitze. Ich bin wieder Teil des Systems. Ein Rädchen. Ein halb motiviertes, leicht rostiges, aber charmantes Rädchen.
Und doch: Irgendetwas hat sich verändert. Ich arbeite langsamer, aber denke länger. Ich lache öfter, auch über mich selbst. Ich weiß jetzt, dass Produktivität kein Charaktermerkmal ist und To-do-Listen keine moralische Instanz.
Vielleicht ist das der wahre Erfolg dieses Comebacks: Ich bin nicht mehr nur zurück – ich bin anders zurück. Mit mehr Fragen, weniger Eile und einem sehr gesunden Misstrauen gegenüber allen E-Mails mit dem Betreff „Kurze Frage“.